CQC-Interview mit Motosada Mori

Was ist CQC?

Mori :
Es steht für „Close Quarters Combat“, also eine Nahkampftechnik. Diese Technik wird im Dschungel, Busch, ja auch in Gebäuden eingesetzt – immer dann, wenn Sie keine Schusswaffen benutzen können. CQC wird auch eingesetzt, wenn sich Terroristen mit Geiseln in einem Gebäude oder einem Flugzeug aufhalten. Die Technik wurde für Situationen entwickelt, in denen Sie gegen mehrere Feinde in Ihrer unmittelbaren Nähe kämpfen müssen oder wenn Sie nicht wissen, von wo Sie angegriffen werden. Diese absolute Kampftechnik wird verwendet, wenn Feinde in der Nähe sind und Sie mit bloßen Händen, mit dem Messer oder einer Pistole auskommen müssen.
In MGS3 haben wir CQC stets berücksichtigt. Nicht nur die Haltung der Spielfigur und wie Sie Feinde schleudern, sondern auch Ihr Gang und Ihre Beobachtungsfähigkeit verdeutlichen Ihre CQC-Fähigkeiten. Ich glaube, diese Funktion wird Fans gefallen.

Wo haben Sie diese Technik erlernt?

Mori :
Als ich vor rund 10 Jahren als Ausbilder einer SWAT-Eliteeinheit tätig war, erkannte ich die Notwendigkeit dieser Kampfart und erlernte sie daher. Erst als ich Pistolen, Messer und meine bloßen Hände geschickt einsetzen konnte, war es mir möglich, mit dem Studium von CQC-Techniken zu beginnen.

Ist CQC besser als ein normaler Kampf mit Messer und Pistole?

Mori :
CQC ist eine äußerst professionelle Taktik. Sie gereicht nicht jedem zum Nutzen: Erst wenn man den Kampf mit Messer und Pistole gemeistert hat, ist diese Taktik von Vorteil. Wer keine Waffenerfahrung besitzt, verletzt sich nur, wenn er/sie diese Art von Messer benutzt. In der Realität können nur Sondereinsatztruppen bzw. Snake in MGS3, der außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, diese Technik erlernen.

Kennen Sie Polizei- oder Militärdienste, die diese Technik einsetzen?
Wie könnte sich diese Technik Ihrer Ansicht nach künftig entwickeln?


Mori :
Ich kann keine realen Namen von Organisationen nennen. Europäische Streitkräfte sind wohl offener, wenn es um die Übernahme neuer Kampftechniken geht als amerikanische Truppen. Ich bin mir sicher, dass Terrorgruppen, die bei neuen Kampftechniken sehr schnell dabei sind, schon bald CQC einsetzen. Es ist ja immer ein Katz-und-Maus-Spiel.
Reaktive oder vorausschauende Kampftechniken sind meiner Ansicht nach physisch gesehen an ihre Grenzen gestoßen. Psychologische Kriegführung gewinnt an Bedeutung: Den ersten Schritt so tun, dass der Feind psychologisch an einem Angriff gehindert wird.


  BESCHREIBUNG VON CQC-TECHNIKEN
GRUNDHALTUNG

- Im Stehen entspannen. Sie dürfen nicht angespannt sein, sodass Sie sich schnell bewegen können.
- Legen Sie Waffen einzeln und nacheinander ab. Schauen Sie sich dabei um, um niemanden zu verletzen.
BETÄUBUNG DURCH EINEN SCHLAG – wenn Sie dem Gegner zu nahe stehen um zu schießen

- Stellen Sie fest, aus welcher Richtung der Angriff erfolgt und lenken Sie ihn ab.
- Wenn der Feind mit Boxhieben angreift, weichen Sie nach rechts aus und lenken Sie die Hand des Feindes mit Ihrer linken Hand ab.
- Haken Sie dann die gezackte Messerseite am Arm des Feindes ein und ziehen Sie den Feind zu sich.
- Der Feind weicht reflexartig zurück und versucht, in Position zu bleiben.
- Nutzen Sie diese Rückwärtsbewegung des Feindes und gehen Sie gleichzeitig einen Schritt nach vorne. Haken Sie Ihr linkes Bein um das rechte Bein des Feindes und bringen Sie den Feind so aus dem Gleichgewicht.
- Während Sie Ihre natürliche Kraft in der Vorwärtsbewegung nutzen, setzen Sie den Feind mit einem Kinnhaken außer Gefecht.
*Wenn sein Bein eingehakt ist, kann der Feind nicht weiter zurückweichen. Und wenn Sie gegen sein Kinn drücken, ist ihm auch der Weg nach vorne verstellt. Er ist aus dem Gleichgewicht und hilflos.
WURF (von vorne) – in der Nähe eines mit einem Gewehr bewaffneten Feindes

- Um den feindlichen Angriff von sich abzulenken, neigen Sie sich zur Seite und nähern Sie sich flink dem Feind.
- Halten Sie die rechte Hand des Feindes (hauptsächlich die Finger) mit dem Handschutz Ihrer Pistole fest.
- Drücken Sie die Hand des Feindes so nach oben, dass seine Schusswaffe in die andere Richtung weist. Gleichzeitig haken Sie Ihr linkes Bein um das rechte des Feindes.
- Drücken Sie nach vorn, um den Feind aus dem Gleichgewicht zu bringen.



WURF (von hinten) – in der Nähe eines mit einem Gewehr bewaffneten Feindes

- Der Feind greift Sie plötzlich von hinten an.
- Ihre Arme sind behindert, Sie können keine Waffen benutzen.
- Bewegen Sie sich nicht nach vorne, um den Feind loszuwerden. Lehnen Sie sich zum Feind zurück, indem Sie den Schwerpunkt Ihres Körpers nach hinten verlagern.
- Warten Sie einen günstigen Moment ab, lehnen Sie sich diagonal und strecken Sie das rechte Bein aus. Drücken Sie Ihren Ellbogen gegen die Brust des Feindes. - Haken Sie Ihr rechtes, ausgestrecktes Bein um das des Feindes. Gleichzeitig drehen Sie Ihren Körper und drücken Sie den Feind nach hinten.





  GLOSSAR
CQC
Abkürzung für die Nahkampftechnik „Close Quarters Combat“. Neueste Technik für den direkten Kampf mit aufgenommenen Pistolen und Messern.
In MGS3 konzentrieren wir uns auf den „Pistolen- und Messerstil“, der für CQC typisch ist. Wenn Sie eine Pistole und ein CQC-Messer tragen, wird CQC eingesetzt.


  PROFIL
Motosada Mori

1964 in Hiroshima, Japan, geboren. Mit 19 Jahren ging er auf Weltreise. Nahm nach Kampferfahrungen in Regionalkonflikten an der Ausbildung von SWAT-Eliteeinheiten teil und war am Schutz des 14. Dalai Lama (Gewinner des Friedensnobelpreises) beteiligt. Betätigte sich dann als Schriftsteller. Gründer von „Mori International“, das sich auf die Prognose von Gewaltverbrechen, die Analyse von Bedrohungen und Gegenmaßnahmen spezialisiert. Motosada Mori hat Unternehmen und Sicherheitsorganisationen als Fachmann beraten und gibt der Öffentlichkeit Tipps, wie man mit „Stalkern“ und Gewalt in der Familie umgeht. Darüber hinaus lehrt er Selbstverteidigung. Wie auch schon an den ersten Metal Gear-Folgen wirkte Mori als militärischer Berater an der Entwicklung von „Metal Gear Solid 3: Snake Eater“ mit.


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